Saturday, 29. november 2008 6 29 /11 /Nov. /2008 10:48

Für immer ?- Ja, für immer.


Wie schön sie war, dachte er. Ihre Haare schimmerten golden in der Sonne. Er hatte ihr Haar immer gemocht. In der Hand hielt sie einen Koffer, um sie herum waren Kisten und Kartons mit ihrem Hab und Gut gestapelt. Der Lastwagen würde bald kommen, um diese Dinge mitzunehmen und sie würde in ihr knallrotes Cabriolet steigen, diese Straße entlangfahren und nie, nie mehr zurückkehren. Warum war ihm nie aufgefallen, wie schön sie geworden war? Und jetzt, da der Abschied nahte, wünschte er sich, es wäre alles anders gekommen...drei Jahre zuvor. Aber sie waren Freunde geblieben, dachte er sich. Ja, sie hatten den Kontakt nie abgebrochen. Damals hatten ihm die Worte gefehlt. Heute, dachte er sich, hätte er es besser gemacht. Heute hätte er nicht so gehandelt, wie damals. Er sah sie an, sah diese verträumten grau-blauen Augen, sie hatten sich nicht verändert. Sie blickten immer noch wie früher, in ihnen war immer noch dieser Hauch von Melancholie, die sie so geheimnisvoll machten. Warum hatte er sich eingebildet, sie hätten sich verändert, vor drei Jahren? Und jetzt, würde sie gehen, für immer. Ich hab’ einen Platz bekommen auf der Uni in Rom!, hatte sie gesagt, Ich werde umziehen!.

Du gehst?, hatte er gefragt.

Ja, ich gehe.

Für immer?.

Ja, für immer.

Kein Abschied war für immer gewesen, keiner. Auch nicht der Tag, vor drei Jahren, als er ihr das Herz gebrochen hatte. Als ihm die Worte gefehlt hatten. Heute hätte er es anders gemacht, heute hätte er ihr nicht das Herz gebrochen. SIE hätte ihm auch damals nicht das Herz gebrochen. Und jetzt stand sie da vor ihm, er brauchte nur die Hand ausstrecken um mit ihren Haaren zu spielen. Ob ihre Lippen noch immer so schmeckten wie damals? Ob sie noch immer so warm und weich waren? Er hätte es gerne ausprobiert, doch ihm fehlte der Mut, genau wie damals. Er hatte Angst gehabt .Sie hatte ihn alles vergessen lassen. Sie hatte das wohlige Gefühl tief in seinem Herzen überdeckt. Sie hatte ihm die Worte fehlen lassen. Die Angst war schuld, dachte er. Warum hatte er bei all den Mädchen danach keine Angst gehabt? Weil Sie nie das innerste seines Herzens erreicht hätten. SIE hatte danach niemanden mehr gehabt.

Bitte geh nicht, ich brauche dich so, hatte sie gesagt.

Es ist das Beste für uns beide, hatte er geantwortet.

Nein ist es nicht!

Irgendwann wirst du es auch verstehen.

Nein ich werde es niemals verstehen.

Er wusste, sie hatte es nie verstanden. Er hatte es selbst nicht verstanden. Sie hatte geweint. Er hatte weggesehen, damals. Heute hätte er anders gehandelt. Heute hätte er sie nicht weinend stehen lassen. SIE hätte ihn niemals weinend stehen lassen. Er wusste, er hatte ihr sehr wehgetan. Aus Angst, er könnte sie zu sehr lieben. Aus Angst, sie könnte ihn verletzen. Sie hatte keine Angst gehabt. Sie hatte ihr Herz in seine Hände gelegt... damit er es brechen konnte. Jetzt würde SIE gehen, für immer. Wenn sie für immer sagte, meinte sie das auch so. Er wusste, dass sie nie aufgehört hatte ihn zu lieben. Ihm wurde klar, dass er auch nie damit aufgehört hatte. Die Angst hatte es ihn nur übersehen lassen.

Ich muss gehen. Lebewohl, sagte sie, ich wünsche dir alles Gute.

Lebewohl, ich dir auch.

Melde dich ab und an.

Ich habe dich geliebt.

Melde dich.Versprichst du das?

Ich habe dich sehr geliebt.

Versprichst du das?

Ich habe dich so sehr geliebt.

Versprichst du, dass du dich meldest?

Ich habe nie aufgehört dich zu lieben.

Er sah die Tränen in ihren Augen. Sie stieg in ihr Auto. Er hätte nur einen Schritt machen müssen. Sie startete den Motor. Er hätte nur –ich habe dich auch geliebt und tue es immer noch- sagen müssen. Sie fuhr los. Er hätte sie nur um Verzeihung bitten müssen. Sie fuhr immer schneller. Er beobachtete das kleine rote Cabriolet bis es nicht mehr zu sehen war. Die Straße war leer und sein Herz zerbrach in tausend Stücke.

Die Angst ist schuld, sagte er sich, die Angst, für immer, ja, für immer.


G.I.

von Giusi - Community: Schriftsteller
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Tuesday, 5. august 2008 2 05 /08 /Aug. /2008 12:53

Vertrauenssache

 

Emanuele del Vento lag in seinem Himmelbett aus schwarzem Mahagoniholz, das mit einem düsteren dunkelgrünen Vorhang bestückt war. Passend zu dem Bett, waren auch der Sekretär, der Schrank, die Nachttischchen in dunklem Mahagoni gehalten. Emanuele hatte das Zimmer renovieren wollen, denn für seinen Geschmack war es zu düster, doch seine Frau hatte auf Traditionen bestanden und so hatte er es dabei belassen müssen. Nun, da seine Frau gestorben war, hielt ihn seine Krankheit davon ab sich dem Problem anzunehmen. Eine Krankheit, die ihm sehr bald das Leben kosten würde. Die Ärzte hatten dem Krebs noch 2 Monate gegeben, doch er spürte, dass es sehr viel früher sein würde. Vielleicht war es auch besser so, dachte er sich. Denn er war nicht der Mensch, der anderen zur Last fallen wollte, im Gegenteil: er war sehr aktiv gewesen. Es gefiel ihm nicht an sein Bett gefesselt zu sein. Früher einmal hatte er Angst vor dem Tod gehabt, ihn als endgültig angesehen, doch nun blickte er ihm hoffnungsvoll entgegen. Eine Erlösung vielleicht auch ein Widertreffen mit seinem verstorbenen Sohn, dachte er. Ja, sein Tod war bitter gewesen und noch bitterer war die Tatsache, dass er nicht einmal auf seine Beerdigung hatte gehen können. Seine Frau hatte es nicht gewollt, weil Giovanni die Tochter der Haushälterin geheiratet hatte, was er selbst nicht als schlimm erachtete, seine Frau aber als Todsünde sah. Trotzdem hatte er Kontakt zu seinem Giovanni gehalten, zu Giovanni und seiner Frau.’’ Ruhet in Frieden’’, flüsterte er. Glücklicherweise waren die Frucht dieser unerschütterlichen Liebe zwei Kinder gewesen. Luca, er musste wohl um die fünfundzwanzig sein und Loredana, die zwei Jahre jünger war. Die beiden und Lucian Elia Rossi, den er als Pflegesohn betrachtete waren die einzigen Menschen, die ihm geblieben waren .Natürlich hatte er überdies noch einen weiteren Sohn. Doch er mochte nicht an Patricio denken. Ein Schuft war er, ein unausstehlicher Schuft, ein Spieler, ein Drogendealer, ein Egoist, kurz, eine Schande. Bei dem Gedanken an ihn wurde Emanuele von einer heißen, tiefen Wut erfasst. Er hatte seinen eigenen Vater schändlich ausgeraubt, ihn ausgenutzt und sich bei seiner Mutter eingeschmeichelt um ihre Gunst auszunutzen. Er wusste, er war Mamas- Liebling.  Mamas Liebling... und er wusste nicht einmal ob es wirklich sein Sohn war. Er war Emanuele so ähnlich, wie eine Maus einem Tiger. Weder vom Charakter, noch vom Aussehen... aber Emanuele wollte keine Skandale. Er hasste Skandale. Er hasste die Menschen, die in Hochglanzmagazinen davon lesen würden. Er hasste Menschen, die ihn mit falschem Mitleid überhäufen würden, einem Mitleid, der eher Schadenfreude glich.

Lucian Elia Rossi machte sich zu Fuß auf den Weg zu seiner Verabredung mit Emanuele del Vento. Sicher, er besaß auch ein Auto, einen kleinen, hübschen Sportwagen, aber er liebte Spaziergänge, besonders durch die Gegend, in der del Vento seine stattliche Villa bauen lassen hatte. Sein Weg führte ihn an einem Bach entlang an Hügelchen mit Zypressen und Kiefern vorbei. Im Hintergrund rauschte das Meer und auf den Feldern arbeiteten Bauern. Die Idylle war einfach perfekt. Doch, fragte er sich, vermochte eine so hübsche Lage auch das Schicksal eines Menschen verändern oder verbessern? Nein. In del Ventos Fall nicht. Die Krankheit würde ihn bald bezwingen, dass wusste Lucian und es machte ihn traurig das zu wissen. Del Vento war wie ein Pflegevater zu ihm gewesen. Als sechzehnjähriger Junge war er ihm praktisch zugelaufen. Die Umstände, die ihn dazu bewegt hatten von zu Hause wegzulaufen waren ihm unangenehm, also verscheuchte er rasch diesen Gedanken. Woran er gern dachte war, dass Del Vento ihn trotz der Einwände seiner Furie von Frau, er wusste er durfte nicht so über verstorbene Menschen denken aber er hatte sie nie ausstehen können, aus der schlimmen Situation gerettet und ihm einen Job in der Firma gegeben hatte. Doch die Firma war nicht das, wozu er geschaffen war, das musste er schon sehr früh feststellen. Nein, er hatte ein anderes Talent: Einen Stark ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, kombiniert mit der Eigenschaft, Menschen durchschauen zu können wie Glas. Früher einmal hatte er sich zu viele Verbrechen mit ansehen müssen, was ein Teil seiner schrecklichen Vergangenheit gewesen war, jetzt sorgte er dafür, dass Verbrecher ihre gerechte Strafe bekamen. Er war Anwalt und Privatdetektiv. Er bevorzugte allerdings das ,,Schnüfflerdasein’’ , wie er es gerne nannte.

Inzwischen war er an dem Tor der alten Villa angelangt, die für ihn ein zweites zu Hause gewesen war. Emanuele del Vento hatte sich seiner angenommen als er 14 Jahre alt, verwahrlost und allein war. Er hatte ihm eine Schulbildung und das Jurastudium ermöglicht, sodass er nun auf eigenen Füßen stehen konnte. Egal, weshalb Del Vento ihn auch gerufen hatte, er würde alle seine Wünsche erfüllen, das war er ihm schuldig.

Kaum hatte er angeklopft öffnete ihm die Haushälterin die Türe. Sie war eine rundliche, symphatisch Frau über 60 mit gestärkter weißer Schürze und zu einem Knoten aufgestecktem Haar. Als sie Lucian durch ihre runde Brille entdeckte strahlte sie übers ganze Gesicht.

,,Lucian, mein Junge! Ich freue mich ja so Sie zu sehen! Der Signore erwartet Sie bereits. Ihm geht es leider nicht so gut’’. ihre Stimme senkte sich und sie faltete ihre Hände vor ihrer Schürze. ,, Das tut mir leid. Er war immer gut zu mir gewesen. Was mag er mir nur zu sagen haben?’’, fragte Lucian. ,, Das erfahren Sie am besten, wenn Sie zu ihm gehen Lucian.’’

Sie führte ihn durch das Haus, das wie sein eigenes war. Die weißen Carrara-Marmorböden glänzten, das Kaminfeuer prasselte und die Mahagonimöbel gaben einen angenehmen Duft nach Möbelpolitur ab. Aber Lucian empfand das alles als zu kalt und zu reich. Er mochte lieber in einem kleinen, gemütlichen Zimmer wohnen als in dieser Pracht. Bevor er in das Zimmer trat hielt er inne. Er bemerkte, dass er ein wenig nervös war und an seiner Armbanduhr zupfte, was er in solchen Situationen immer tat. Tief durchatmend klopfte er an die Tür. Die dumpfen Töne, die dabei entstanden hallten in seinen Ohren nach, ebenso wie der schwache ,,Herein!’’ ruf, der sogleich erklang. Behutsam öffnete er die Tür und bemerkte sogleich den Geruch nach Medikamenten und Krankheit.

von Giusi - Community: Schriftsteller
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Monday, 28. july 2008 1 28 /07 /Juli /2008 21:44

Prolog

 

Der Wind schwoll an und das leise Wispern der Bäume wurde allmählich zu einem Stöhnen und Ächzen. Das Meer, das eben noch von kleinen, verspielten Wellen durchzogen war, setzte zu einem wilden, rauschenden Tanz an, sodass die schäumenden Wellen an die steilen grauen Klippen peitschten. Das einzige, dessen der Sturm nicht Herr geworden war, war die untergehende Abendsonne. Sie tauchte die Szene in ein rötliches Licht, bevor sie schließlich in der tosenden See versinken wollte.

An diesem rauen Juliabend konnte man nahe den Klippen drei Gestalten erkennen. Sie standen im Kreis, hielten sich die Hände und spürten, wie die Gewalt der Natur an ihren Leibern riss. Es waren Kinder. Der älteste, Luca Emanuele del Vento war fünfzehn Jahre alt, von der Statur groß, mit einem romantischen Gesicht, das von großen zerzausten schwarzen Locken umrandet war. An seiner rechten Hand hielt er seine dreizehn jährige Schwester Loredana. Ihr taillenlanges, volles Haar wehte um ihr schön geschnittenes Gesicht, dessen Krönung zwei bemerkenswert interessante Augen waren, die je nach Lichteinfall smaragdfarben oder gräulich glänzten. Die letzte im Bunde war eine sehr gute Freundin der Geschwister, namens Chalima Blackthorn. Ihre schottischen Wurzeln spiegelten sich unverkennbar in ihren tiefblauen Augen und dem langen silberblonden Haar.

“Wir wollen es nun ausführen, hier wo das Meer sein Lied spielt und der Wind dazu singt. Hier, wo das Feuer der Sonne im Wasser gelöscht wird ehe der Mond aufgeht.”, Loredana sprach mit ihrer ruhigen, melodiösen Stimme. Als die anderen beiden nickten fuhr sie fort, “Wir wollen nicht nur durch das Band der Freundschaft mit dir verbunden sein, Lima”, Loredanas Augen glänzten, “wir wollen, dass wir durch den Bund des Blutes vereint werden. Unser Blut soll in deinen Adern fließen, deines in unseren.” Sie übergab das Wort an Luca. “ So wollen wir uns Treue schwören, bevor wir zu Geschwistern werden!” Man hörte drei Stimmen, begleitet von Wind sprechen:

“Treue, Unterstützung und Vertrauen,

  Das soll unser Versprechen sein!

 Wenn wir in die Augen uns schauen,

 wollen wir verstanden sein!

 Wie der Mond und die Sterne,

 sollen wir beisammen bleiben auf Ewig!

 Und tief in unsres Herzend Kerne

 müssen wir wissen: Freundschaft ist selig!”

Kurze Zeit lang waren sie still. Dann zog Luca ein Taschenmesser aus seiner Jeans, sah erst Chalima tief in die Augen und schnitt ihr einen kleinen riss in den Daumen. So wiederholte er es bei sich und seiner Schwester. Während sie ihre Daumen aneinanderdrückten spürten sie mit einem Mal, wie eine Energie der Verbundenheit langsam durch sie hindurchfloss und ihren ganzen Körper erfüllte. Überwältigt hauchte Chalima: “Nun sind wir wahrhaftig Geschwister...”

von Giusi - Community: Schriftsteller
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Monday, 28. july 2008 1 28 /07 /Juli /2008 20:11
Willkommen auf meinem neuen Blog!
 Ich möchte hier meine Gedichte, Kurzgeschichten und meinen Roman einstellen. Viel Spaß beim lesen. Ich freue mich über Bewertungen.

Übrigens:
Auf meiner Homepage findet ihr ebenso meine Gedichte und Kurzgeschichten, aber auch Songtexe, Zitate u.v.m.
Schaut doch einfach mal rein ;)


Insubstantiality
von Giusi
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